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Kupferblau-Interview (Juli 2009)

Damit ist Häns Dämpf im Prinzip der größte popmusikalische Newcomer Tübingens.

 
Schwäbisches Tagblatt, September 2009

Häns Dämpf will nicht nur Quatsch machen.
Kreiszeitung, Februar 2009

Die CD rotiert in meinem Player, einige Lieder gefallen mir immer mehr, bei anderen bin ich geneigt die Anlage gegen die Wand zu donnern.
Medienkonverter, Januar 2009

Es sind aber gerade die wirren - ja vielleicht kann man auch sagen die kaputten - Titel, die wirklich Spaß machen, wenn man hart im Nehmen ist oder einfach selbst auf schräge, bisweilen kranke musikalische Symphonien steht.
Venue Music, Dezember 2008

Knietief im Sandkasten.  
Popfrontal, November 2008

Der Tübinger Philosophiestudent Häns Dämpf quietscht vornehmlich mit einem Bobby-Car auf die Bühne, verspeist dort rohe Zwiebeln und erzählt abgründige Geschichten.
Lift Stuttgart, Oktober 2008

Inhaltlich ist Dämpf differenzierter als Helge Schneider. Dämpf singt politische Lieder, versteckt augenzwinkernde Gesellschaftskritik in seinen Stücken. 
Südwestpresse, Oktober 2008

Über 800 Besucher haben das Spektakel besucht, weit mehr als erwartet. Häns Dämpf begeisterte das Publikum dabei mit ausgefallenen humoristischen Einlagen.
Donaukurier, Juli 2008

Der Brüller des Abends.
Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), Juli 2008

 
Häns Dämpf und seine großartige Zwei-Mann-Bänd, die im Übrigen die meiste Zeit genauso überrascht scheint wie das Publikum von dem, was ihr Gitarrist gerade treibt, sind es auf jeden Fall wert, gehört und -gesehen zu werden. Bei dieser Truppe muss sich ohnehin jeder sein eigenes Bild machen.
Badische Zeitung, April 2008

Mit Gejohle und Beifallspfiffen wird der Herr Dämpf immer zu neuen Eskapaden getrieben.
Schwarzwälder Bote, April 2008

Liedermacher Häns Dämpf besingt Mähmaschinen und abgesägte Politiker, lässt sich zu Nonsens-Gestammel vom Publikum den Stinkefinger zeigen. Ein Küsschen für Angela Merkel, ein Hoch auf die solidarische Weltgesellschaft. Er sinniert über Rudi Dutschke und die Jugendkultur, ewige Treue und Eintracht Frankfurt. Zeigte sich überzeugt: "Ich bin ein Genie."
Schwäbisches Tagblatt, Februar 2008

 Die Welt verlangt offenbar nach schrillen Gestalten. Häns Dämpf hat das begriffen. Manchmal stotternd, gelegentlich ein bisschen verpeilt und trotzdem irgendwie genial. Die Texte sind kritisch, ironisch, witzig und bewegen sich irgendwo zwischen Chanson und Punk.
Wildwechsel, Kassel, Januar 2008

Häns Dämpf bringt alles mit, um die nächste große Entdeckung der deutschsprachigen Musik zu werden.
 
Böblinger Bote, Dezember 2007

Als würden Helge Schneider und Kurt Cobain gemeinsam auf der Bühne stehen.
Kreiszeitung, Oktober 2006
 

Interviews

Wildwechsel, November 2008

Liedermaching, politisch und schräg! 

Häns Dämpf: Besser als Helge!

Meistens sitzt er auf seinem roten Bobby Car und trägt dazu seine ebenfalls rote Fliege mit Zylinder. Häns Dämpf ist eben kein gewöhnlicher Liedermacher. Seine Songs heißen “Sehn-Sucht“ oder “Wulle-Wulle-Schinkenspeck“, sind politisch, ironisch und irgendwie ein bisschen anders. Auch die YouTube Gemeinschaft ist schlichtweg verwirrt vom schrillen Liedermacher aus Tübingen. Die einen verehren ihn, die anderen finden ihn seltsam oder sind schlichtweg überfordert. Musikalisch möchte man Häns in eine Schublade irgendwo zwischen Helge Schneider und den Ärzten stecken. Aber die können noch einiges von ihm lernen, erzählt Häns unter anderem im Ww-Interview.


Wofür steht der Name Häns Dämpf? 
Er steht in erster Linie für mich. Für einen sehr wichtigen Teil meiner Seele, der sich durch Humor und Nachdenklichkeit ausdrückt und deshalb „in all the gässes“ unterwegs sein muss.

Du hast scheinbar eine Vorliebe für den Buchstaben Ä (Vgl. Häns Dämpf änd Bänd). Magst Du die Ärzte?
Früher habe ich auch die Ärzte gehört, heute nicht mehr, das ist mir etwas zu eintönig geworden, obwohl ich finde, dass sie eine sympathische Band sind. Klar ist allerdings, dass die bÄste Band der Welt nicht mehr die Ärzte sind, sondern wir inzwischen (augenzwinker).

Du wirst oft mit Helge Schneider verglichen, gefällt dir das? 
Es interessiert mich nicht besonders. Die Leute könnten mich mal mit anderen wichtigen historischen Personen vergleichen – z.B. Bismarck oder Rudi Dutschke – das fände ich spannender. Helge finde ich gut, aber er kann durchaus noch was von mir dazulernen.

Hast du ein Vorbild? 
Ja, meine Mama. 

 
Wie reagiert das Publikum auf eine schräge Gestalt wie dich? 
Die, die bei meinen Konzerten sind, finden es in der Regel gut. Aber es gibt auch welche, die zufällig da sind, und es scheiße finden. Das ist aber nicht schlimm. Neulich kam einer her und sagte: „Ich finde Euch scheiße.“ Dann hab ich ihm recht gegeben. Ich bin eben ein sehr freundlicher Mensch.

Wieso überhaupt Frack, Fliege und Zylinder?
Das war mein Abiball-Kostüm. Da ich es nicht fortschmeißen wollte, habe ich es bei meinen Konzerten einfach weitergetragen. Ich mag das nicht so, wenn man sich Klamotten nur für einen Anlass kauft, das ist unökologisch und verschwenderisch.

Wie entstehen deine Ideen? Du hast z.B. einen Song aufgenommen, der “Kärius und Bäktus sind gefährlich heisst“ und einzig und allein daraus besteht, wie sich jemand die Zähne putzt.
Wir wollten unbedingt, dass auf der CD 10 Tracks drauf sind. Als wir dann im Studio waren haben wir einfach noch ein bisschen Zähneputzen gesampelt. Ich finde, dass auch eine sehr wichtige Aussage in dem Lied drinsteckt. Viele Kinder haben heutzutage immer noch schlechte Zähne, dagegen kann man etwas tun! Immer morgens, mittags und abends Zähneputzen. Wenn ich mal Kinder habe, werde ich Ihnen das auch so vermitteln und Ihnen regelmäßig den Song vorspielen.

Ein Song von dir heisst “Marx hat Recht“, in der dazugehörigen Podiumsdiskussion, heisst es dann aber auch “Marx hat nicht Recht“. Welche Meinung ist deine eigene? 
Eine gute Frage! In erster Linie glaube ich natürlich nicht, dass ein Mensch, egal wer es ist, mit allem, was er je gesagt hat, uneingeschränkt recht haben kann. Genauso ist das auch bei Marx. Z.b. entspricht die Reallohnentwicklung in den letzten anderthalb Jahrhunderten, die absolut stark gestiegen ist, nicht den Vorstellungen von Marx eigentlicher Theorie. Allerdings soll mit dem Song „Marx hat Recht“ eher die populistischen Vorurteile über den Realsozialismus durch den Kakao gezogen werden. Es gibt so viele Leute, die behaupten, der Kommunismus funktioniert nicht. Das stimmt vielleicht, aber funktioniert denn die freie Marktwirtschaft? Gibt es diese überhaupt? Die aktuelle Finanzkrise zeigt doch sehr deutlich, dass Marktwirtschaft und Staatsbürokratie immer miteinander einhergehen und das sie sowohl Garant für Stabilität und Ungleichheit sind. Natürlich denke ich auf eine gewisse Art und Weise, dass Marx Recht hatte, weil er eben ein sehr realistischer Denker war, der die Fakten stark berücksichtigt hat. Die meisten Marxisten im weiteren Verlauf der Geschichte nahmen es da nicht so genau mit den Fakten. Natürlich weiß man heute vor allem volkswirtschaftlich mehr. Aber trotzdem ist das noch keine Garantie für die Ewigkeit des Kapitalismus. So toll funktioniert der, wie man gerade sieht, nämlich nicht. Die Podiumsdiskussion habe ich dann noch geschrieben, um zu sagen, dass ich das alles nicht so bierernst nehme, sondern Argumente gut finde. Außerdem macht Bier auch nicht ernst.

Gibt es eine bekannte Person außer Marx, der du gerne einmal ein Lied widmen würdest? 
Ja, ich habe schon ein Lied über Ludwig Wittgenstein, einem sehr guten Philosophen geschrieben.Das will ich aber noch überarbeiten, bevor wir es dann wieder spielen. Vielleicht schreibe ich auch mal ein Lied über Napoleon, Mozart oder auch Karl Dall. Wer weiß.

Was meinst du, sollten Politiker vielleicht mehr auf Humor und Skurillität setzen, um mehr Menschen anzusprechen?
Auf alle Fälle. Ich bin ja nur Musiker geworden, um später dann Bundeskanzler und erster Präsident der ganzen Welt zu werden. Die Chancen dazu stehen nicht schlecht, weil wenn ich noch etwas übe, hau ich die derzeitige Politiker-Elite mit meinem Charme, Humor und meiner Liebe zu den Menschen locker in die Tasche.

Dein bisher verrücktester Auftritt? 
Ende August habe ich mit Johanna Zeul in Stuttgart im Merlin gespielt. Da hat sich so ein Typ bei meinem Lied „Sehn-Sucht“ komplett nackt ausgezogen. Irgendwann habe ich ihn dann angeschrieen, weil er das ganze Konzert über nur genervt hat und er wurde dann rausgeschmissen. Er hatte – wie man mir erzählt hat – eine Bundeswehrhose und einen Tiger-Stringtanga an und war wohl ganz begeistert von meiner Musik. Aber genervt hat er. Ansonsten habe ich ein sehr sympathisches, oft schüchternes, aber auch viel lachendes und lächelndes Publikum. Das mag ich sehr. Ich treff’ eigentlich ständig nette Leute.



Extrem-Liedermaching-Fanzine, Februar 2009

E.L. : Hallo erst einmal, komme gerade passend zu deinem zu deinem neuen Video "Schinkenspeck"  von einem Metal Festival zurück. Da kann man kaum glauben das, das hier ein Interview für das Extrem Liedermaching werden soll. Alle zart besaiteten Liedermacher müssten jetzt spätestens von dir, sicher vor Angst schlottern, oder?

 Nein, ich bin der netteste Liedermacher, den man sich überhaupt vorstellen kann. Ich kann keiner Fliege was zu Leide tun. Heute war eine in meinem Zimmer, die hat ziemlich genervt, aber ich war immer noch nett zu ihr. Und Metalmenschen sind ja i.d.R. die friedlichsten Menschen auf der ganzen Welt. Es ist nur wichtig, dass man hin und wieder am Ende von Liedern so richtig die Sau rauslässt, dafür eignet sich Metal ungemein gut!

 E.L. : Tübingen ist eine richtige Kulturhochburg, welche pausenlos neue Kulturerscheinungsformen hervorbringt, welche leider nach kurzer Zeit meist wieder verschwinden. Wie kam deine Künstlergeschichte damals ins rollen, bevor mit "Somnium" das erste Album entstand?

 Ja, Tübingen ist auf jeden Fall die beste Stadt auf der ganzen Welt, aber dass sie eine Kulturhochburg wird – ich weiß nicht –, dafür muss noch einiges getan werden. Es gibt hier schon viel Kultur, vergleichsweise zu Rest-Baden-Württemberg ist Tübingen (außer vielleicht Heidelberg und Freiburg) eine Oase. Ich mein', in Baden-Württemberg  wählen die meisten Menschen CDU, eine der kulturfeindlichsten Parteien auf der ganzen Welt, vor allem was suversive und alternative Kultur anbelangt. Aber auch in Tübingen ist das teilweise recht bildungsbürgerlich alles, man muss die Menschen etwas aus der Reserve locken und dafür eignet sich mein Projekt ganz gut.

„Somnium“ hatte ich ja schon früher gegründet, als ich noch in Ehningen bei Böblingen bei Stuttgart gewohnt hatte. Böblingen ist sicherlich die hässlichste Stadt der Welt – gerade wird dort von den dortigen Kulturreferenten ein Jugendhaus platt gemacht, was in Tübingen nie möglich wäre. Wir hatten es als „Somnium“ dort immer schwer, alles viel zu konservativ. Die Band gibt es schon seit Ewigkeiten, seit 2000. Nach etlichen Besetzungswechseln haben wir 2006 zu zweit das erste Album mit Namen „Kultuschock“ herausgebracht.

E.L. : Somnium ist musikalisch eine wirklich außergewöhnlich hart rockende, politische Band, welche wirklich wie der Albumtitel, einen "Kulturschock" für den Hörer bereit hält. Was ist das liebste Ziel was ihr erreichen & mit der Band erfüllen wollt?

Bis Ende 2006 war das ja mein Hauptprojekt, damals waren wir nur zu zweit, ich mit meinem Drummer Nicolai. Inzwischen haben wir einen Bassisten gefunden. Gerade machen wir aber eine Pause mit „Somnium“, wir proben zu Zeit ein bisschen und mein Ziel ist es etwas möglichst Experimentelles hinzubekommen, mal sehen, ob das klappt.

E.L. : Was war für dich dann der Anlass neben Somnium als HÄNS DÄMPF etwas völlig neues, als Künstler zu starten?

 Mmh, ja, Grund war vor allem, dass mein Drummer Nicolai keinen Bock hatte so viele Gigs zu spielen. Ich hab mich dann einfach entschieden, es solo zu probieren, wobei ich inzwischen mit „Häns Dämpf“ ja auch wieder eine Band habe, die „änd Bänd“ heißt. Etwas vollkommen Neues war das auch nicht, denn ich hatte bei „Somnium“ live schon viele Kabaretteinlagen. Das hört man auf unserem Album „Kulturschock“ kaum. Meinen sehr ausgefeilten Tanzstil, der Cha cha cha, Walzer, kubistische neopostmoderne Elemente mit dem kubanischen Reiterstil, aus dem 3. vorchristlichem Jahrhundert, verbindet, stammt noch aus der Zeit mit „Somnium“. Genauso wie das Lied mit der Möse auch, das übrigens entgegen einiger Vermutungen ein sehr feministisches Lied ist.

E.L. : Wie lief der Tanzwettbewerb, der von dir ausgeschrieben wurde, waren einige gute Teilnehmer dabei?

Es war klasse. Wir hatten zwölf Teilnehmer-Videos, gerechnet hatte ich vielleicht mit zwei oder drei. Die Auswahl war sehr schwierig und langwierig, weil wir komplizierte mathematische Verfahren anwendeten. Am Ende hatten die mit der geringsten Schuhgröße gewonnen, fünf Leute aus Böblingen. Das war eine erstklassige Wahl, in unserem Video zu „Wulle wulle Schinkenspeck“ kann man sie tanzen sehen.

 E.L. : Nach deinem erlebten Auftritt  fehlten mir glatt die Worte, diesen passend zu beschreiben. Warne die Leser also lieber vor, auf was sie sich einlassen, wenn sie einer deiner Liveauftritte besuchen.

 Ja, entschuldigung. Ich versuche meine Musik immer so einfach zu halten, so dass ich sie auch selbst noch kapiere, aber manchmal wird es einfach zu kompliziert. Aber nicht in dem Sinne intellektuell-kompliziert-anspruchsvoll, sondern einfach durcheinander, chaotisch. Allerdings ist das das, was ich schon immer machen wollte. Eigentlich schon seit ich in der Grundschule bin, einfach Anarchie auf der Bühne verbreiten. Man kann das vielleicht als Neo-Punk bezeichnen. Weil der Punk über Jahre hinweg immer das gleiche gemacht hat, muss jetzt was neues her, eben Neo-Punk. Meine Ansicht wird dadurch bestätigt, dass normale Wohlstands-Punks (echte Punks haben ja kein Geld für Konzerte) das Zeug, was ich mache, scheiße finden. Die sind also auch viel zu konservativ. Ich kämpfe eigentlich gegen den Konservatismus, oder irgendwie so.

E.L. : Habe festgestellt das neben deinem roten Flitzer, dein Zylinder untrennbar zur HÄNS DÄMPF gehören. Gibt es hierzu eine aufschlussreiche Info Geschichte?

Nö, eigentlich nicht. Den Zylinder und Anzug habe ich bei meinem Abiball angezogen, weil meine Mama, die Frau Dämpf, gemeint hatte, ich solle mich wenigstens zu diesem Anlass mal ordentlich anziehen. Das habe ich dann gemacht und als festgestellt habe, dass normale Klamotten zu der Musik meiner Band "Somnium" nicht passen, habe ich das einfach immer angezogen, wenn ich auf der Bühne stand.

Zu dem Bobbycar: Weiß auch nicht, ich glaub das stand im Keller und ich fand es cool, kann mich gerade aber echt nicht mehr erinnern, zu welchem Anlass ich das zum ersten Mal benutzt hatte.

 
E.L. : Was wahren für dich die schönsten & lehreichsten Erlebnisse bisher?

 Man lernt eigentlich ständig was. Am meisten macht es Spaß, vor Hippies zu spielen, also vor Neo-Hippies oder vor neo-hippiesken Ökos, oder wie auch immer. Also vor Menschen, die die Natur gut finden und gerne auch wollen, dass die so bleibt und nicht von bösen Großkonzernen manipuliert wird. Wir hatten einen Auftritt in Münsingen, den die Stuttgarter Naturjugend organisiert hatte, da war eine so gute Stimmung, wie wir sie noch nie hatten. Absolut unglaublich. Da haben wir auch das erste Mal „Schinkenspeck“ gespielt und das waren fast alles Vegetarier. Ich hab mich jetzt auch entschieden Vegetarier zu werden, ist einfach total cool, wenn man als Vegetarier „Wulle wulle Schinkenspeck“ spielt, und außerdem tut man dann noch was gegen den erhöhten CO2-Ausstoß in dieser Welt. Großartig war auch das RACT! in Tübingen dieses Jahr, wo wir vor fast 1.000 Leuten gespielt haben, das beste Festival auf der ganzen Welt. Aber auch die Auftritte im Kukuun waren lehrreich, das letzte Mal waren drei Leute da. Klasse!

 
E.L. : In Hamburg schaute man mit Bänd gleich noch einmal bei "Balcony TV " vorbei. Könnte fast meinen der lauschige Balkon neben der süßen Johanna könnte dein 2tes Zuhause werden. Wie gefallen dir so im ganzen, die Sendungsaufzeichnungen, die hier für einen wirklich großen Zuschauerkreis aufgezeichnet werden?

Ja, klar in die Johanna habe ich mich sofort verliebt, deshalb mussten ich/wir da unbedingt nochmal hin. Die Sendung ist simpel und schnell gemacht und hat uns eine große Aufmerksamkeit gebracht, was will man mehr? Schade, dass jetzt das Kukuun umzieht, eine schöne Kneipe auf dem Kiez. Darüber war immer der Balkon, aber die wurden irgendwie da rausgeschmissen. Vielleicht weil sie zu viel Kultur gemacht haben und zu wenig Pornographie? Vielleicht ist Kultur auf dem Kiez einfach verboten.

 
E.L. : Wie Läuft deine zugegebenermaßen wirklich große Tour durch Deutschland, das Lied  "Im Abgrund der Ewigkeit" scheint sich ja nur teilweise zu bewahrheiten. Oder bist du nach wie vor einfach zu optimistisch?

Ich bin manchmal total pessimistisch und manchmal total optimistisch. Es läuft eben manchmal total gut und manchmal nicht so. So ist das eben als Liedermacher, man hat erstmal noch ziemliche Hürden zu überwinden, weil Liedermacher ja vielen als etwas Altbackenes erscheinen. Doch da einige da schon Pionierarbeit geleistet haben, wie Götz oder die Monsters oder der Heinz, wird das schon einfacher. Wie gesagt spielen wir manchmal vor 3 Leuten, manchmal vor 20, vor 60, aber auch vor fast 1.000 Leuten. Und das „Liedermachen ist nicht mehr angesagt“ im „Abgrund“ ist ja ironisch gemeint, natürlich weiß ich, dass wenn man das ordentlich pusht, können sich sogar Amy Winehouse oder Michael Jackson verstecken. Allerdings kommen nur einige Liedermaching-Liedermacher an die Beatles oder an Mozart ran: ich zum Beispiel.

 
 E.L. : Nach dem einige Kolegen darüber gemotzt haben, das es kulturell nur das Folker Magazine gibt, wurde zusammen mit "Jesus Weed"  dieses Printheft ausgeheckt. Gibt es schon ein neues Fanzine auf dem Gebiet, oder ist das Extrem Liedermaching immer noch ganz alleine?

 Soweit ich weiß bist Du immer noch alleine. Aber neben einigen Fanzines ist es langsam an der Zeit, dass der „Rolling Stone“ oder die „Visions“ ausschließlich über die deutsche Liedermaching-Kultur berichten. Außerdem habe ich Gerüchte gehört, dass die FAZ ihren Börsenteil komplett in die Tonne kloppen will und ihn durch regelmäßige Berichte über die Liedermaching-Szene mehr oder weniger ersetzen will. Aber das ist noch geheim. Für Dein Fanzine ergäben sich dann ganz neue Kooperationsmöglichkeiten.

E.L. :  Bin wirklich überrascht wie gut Liedermacher Künstler aufgenommen und auf ihren Veranstaltungen abgefeiert werden. Was ist deiner Meinung nach, dafür verantwortlich das zunehmend junge Leute diesen Kulturbereich für sich entdecken?

 Es ist einfach ein Kontrast zu dieser ganzen ausproduzierten Scheiße. Einfach Gitarre nehmen, Text erfinden, innerhalb von einem Tag hat man ein komplettes Album geschrieben. Das ganze Liedermaching-Ding hat was vom Punk, finde ich, nur das es eingängiger ist, die meisten schreiben eben Lieder, die echt ins Ohr gehen. Wobei man damit noch ganz viel machen kann. Ich vertrete ja die Ansicht, dass Liedermaching die europäische Kulturszene für fünf Jahrhunderte komplett beherrschen wird.

E.L. : Dann gehe mir leider die Spontanfragen aus, weil du mir  noch nicht so lange bekannt bist. Breche dann mal auf, um neue Liederscheiben & Erfahrungen zur sammeln. Noch ein paar letzte Worte an die Künstler und Liederfreunde?

Rettet die Wale! Und esst weniger Fleisch!. Kommt zu meinen Konzerten, wenn ihr nicht durch dieses Interview total abgeschreckt seid. Ich bin sehr nett auf der Bühne, und wenn jemand, was sagen will, kann er einfach die Hand heben und sich melden. Die anderen beiden sind auch sehr nett, der Christoph und der Benji. Der letzte ist Drummer und ist nur 20 Zentimeter groß. Der andere ist Keyboarder und kommt aus Bayern.

Zum Schluss will ich noch meinen Eltern danken, die mir das alles ermöglicht haben.